Dieser Receiver und alle anderen Geräte der Marke Setton sind eindeutig Kinder der 70er und etwas ganz besonderes. Mehr Vintage-HiFi geht kaum. Die Gestaltung ist außergewöhnlich, ja: sensationell. Hier lohnt es sich, etwas nachzuforschen.
Der junge Franzose Jackie Setton hatte ein Faible für schnelle Autos und einen gediegenen Lebensstil, und dazu gehörte in den "goldenen" 70ern auch HiFi. Was es gab, gefiel ihm wohl nicht, deshalb beschloss er, seine eigenen Geräte auf den Markt zu bringen – und zwar sinnvollerweise im ganz oberen Preissegment. Setton war als Importeur, unter anderem von Pioneer, tätig. Da fiel es ihm durch seine Kontakte sicher leichter, einen fähigen Hersteller zu finden, der ihm die Geräte baute. Das war nicht Pioneer selbst, aber eine Firma, die höchstwahrscheinlich auch für Pioneer (und viele andere Marken) im Auftrag herstellte: Cybernet. Die (natürlich) japanische Firma war derweil von dem Konzern Kyocera aufgekauft worden, dessen Chef ebenfalls HiFi-Enthusiast war, und versuchte nun auch unter eigener Flagge sein Glück. Deshalb sind Geräte der ersten Serien von Cybernet und Setton auch weitgehend baugleich – technisch. Aber die Optik der Settons war und ist etwas ganz anderes.
Alain Cousin, einst Designer bei Pierre Cardin, war Teilhaber und zeichnete wohl für die prächtige Gestaltung verantwortlich. Die Knöpfe mit dem abgerundeten Aufsatz sind charakteristisch, die massive Frontplatte aus Aluminium mit den kräftigen Rackgriffen strahlt elegante Professionalität und Hochwertigkeit aus. Die Anzeigegeräte, breite Skala und die ungewöhnliche Statusanzeige werden von einer rauch-rosé-farbenen Plexiglasscheibe abgedeckt, die, ebenfalls von abgerundeten Bügeln gehalten, dem Ganzen den letzten Pfiff gibt. Hier waren Leute am Werk, die wussten, was sie taten und wie wichtig ein durchgängies Design für die Wiedererkennung ist, gerade für ein Unternehmen, das neu am Markt ist – der 1977 zudem in vollster Blüte stand.
Der RS-220 ist der "kleinste" der drei damals angebotenen Receiver, wiegt knapp 13 kg und leistet solide 2 x 40 70er-Jahre-Watt Sinus an 8 Ohm. Das Gerät ist breit und hoch, aber nicht in die Tiefe gebaut (58 x 17 x 30 cm), das erleichtert die Aufstellung, zum Beispiel auf einem Sideboard. Der Setton ist ja auch von den Seiten und von oben hübsch anzuschauen. Die Empfindlichkeit des Phono-Eingangs ist auf der Rückseite schaltbar. Auch sonst ist die Ausstattung komplett. Der Setton kostete schließlich stolze 1.500 DM. Der Sound ist – wie man es erwarten darf – typisch Siebziger: satt und voluminös, prächtig, genau wie die Optik verspricht. Also: Ein Schmuckstück für jede Wohnung! Die Geräte zier(t)en die Wohnzimmer wohlhabender Franzosen, und die kennen sich in Stilfragen ja aus.
Dieses Exemplar befindet sich in gutem Zustand. Die Frontplatte hat keine Macken, das folierte Holzgehäuse ist in sehr gutem Zustand. Nur rechts ein paar Streifen und hinten unten eine leicht eingedrückte Ecke, sieht man natürlich nicht. Die Knöpfe haben einige Spuren und Kratzerchen, der Gesamteindruck ist aber gut. Technisch funktioniert das Gerät ohne Einschränkung. Es wurde überprüft, alle Potis und Schalter gereinigt, die Leuchtmittel erneuert und innen und außen sorgfältig gereinigt.
Das Gerät kann angeschaut und ausprobiert werden, ich kann auch sehr sicher verpackt versenden. Der versicherte Versand per DHL würde inklusive sehr gutem Verpackungsmaterial 40 EUR kosten – ich verpacke aufwändig, das dauert und eine Menge Material wird benötigt. Festpreis.
Bitte beachten Sie: Die von mir angebotenen Geräte sind meist zwischen 30 und 50 Jahre alt. Wer sich dafür interessiert, sollte sich darüber im Klaren sein, dass trotz sorgfältiger Prüfung unerwartete Defekte auftreten können. Aber wir sind ja alle HiFi-Fans und werden im Fall der Fälle gemeinsam eine vernünftige Lösung finden. Sollten innerhalb von 6 Monaten nach Kauf Probleme auftreten, nehme ich im Zweifel das Gerät zurück und erstatte den Kaufpreis.